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    Auf den Spuren der Frankenwald-Flößer bis an den Rhein 500 km Radtour des ADFC Kronach nach Mainz

    Froh gelaunt und beherzt wie einst die Frankenwaldflößer startete eine 15 köpfige Radlergruppe des ADFC (Allgem. deutscher Fahrradclub) von Kronach nach Mainz. Die Tour führte entlang der Flußauen durch das Landesgartenschaugelände vorbei am ehem. Kleienwehr, wo einst die Floße aus Friesen, Kronach und der Haßlach warten mussten, bis die Fahrt zur Zollschere freigegeben wurde, nach Neuses. Am Zollwehr musste, wie der Name sagt, einst der Floßzoll entrichtet werden, dann ging die Fahrt zügig die Rodach abwärts. Schneller kamen die Radler voran und erreichten schon vormittags den Main und den Ort Schwürbitz, wo man früher die Frankenwald-Floße zum "Hallstädter Stück" vergrößerte. Hier wird der Fluß langsamer und macht viele Windungen. Am Ufer lockten bunte Mirabellenbüsche, doch die noch unreifen Früchte, die manche Teilnehmer gleich verkosteten, bereiteten einige Verdauungsprobleme. In Hallstatt war die erste Übernachtung.

    Die nächste Etappe führte durch die fruchtbare Gartenstadt von Bamberg. Alle bewunderten die Fülle der Gärten und den Fleiß der Häcker. Entlang der Regnitz und vorbei an der Mainmündung erreichte man Bischberg. Hier gaben einst viele Frankenwaldflößer ihr Holz ab und es wurden die großen starren Mainflöße von ca.9 m Breite und 125 m Länge durch Bamberger Holzhandlungen zusammengestellt. Den hier beschäftigten und organisierten Flößern war vertraglich damals eine tägliche Ration von 4 Litern Bier und einem Pfund Fleisch zugesagt. Die Radler begnügten sich hingegen mit Apfelschorle. Bei Oberhaid begannen die Weinberge. Die Stadt Zeil am Main überraschte ebenso wie später Hassfurt mit einem schönen historisch gewachsenen Ortsbild. Selbst von weiten beeindruckten die gewaltigen 147 m hohen Kühltürme des Atomkraftwerks Grafenrheinfeld. Nach einem Besuch der barocken Klosterkirche St. Ludwig, die von Balthasar Neumann geplant wurde, erreichten Tour-Teilnehmer zwar müde aber gut aufgelegt das Hotel in Fahr.

    Tags darauf besuchten alle die Wallfahrtskirche "Maria im Weingarten", die auf der Höhe gelegen, einen wunderschönen Weitblick über die fruchtbaren Weinberge und Talauen der klangvollen Weinorte von Volkach, Astheim, Nordheim und Sommerach ermöglicht und innen das letzte große Werk Tilmann Riemenschneiders, die "Madonna im Rosenkranz", beherbergt. Über Kitzingen und Ochsenfurt kamen die Radler nach Würzburg, wo eine kleine Weinprobe im riesigen Keller des Juliusspitals den Tag abschloß. An der einstigen Floßlände am rechten Mainufer ist neuerdings ein Biergarten mit Sandstrand angelegt.

    Eine Stadtführerin erläuterte am folgenden Tag wichtige Sehenswürdigkeiten der Innenstadt von Würzburg wie den Dom, den Markt, die Marienkapelle und das Falkenhaus und an Hand von Fotos auch den Umfang der 90 prozentigen Zerstörung im 2. Weltkrieg. Nach einer Besichtigung des bekannten Parks von Veitshöchheim erreichte man die ehrwürdige Stadt Lohr mit ihren Fachwerkbauten. Ein Teil des verbauten Holzes stammt sicherlich aus dem Frankenwald.

    Entlang des Mains führte der Radweg tags darauf über Wertheim und Freudenberg in die Fachwerkstadt Miltenberg. Besonders beeindruckte hier auch der gewaltige Steinbruch, aus dem der rote Sandstein stammt, der die Radler nun das weitere Maintal hinunter begleitete. Bei einer Stadtführung in Aschaffenburg konnte man die gut erhaltene Innenstadt, das Schloß Johannisburg und die Stiftskirche mit Bildern von Grünewald, Dürer und Cranach besichtigen. Über Seligenstadt mit seiner wunderschönen Altstadt kamen die Frankenwälder zügig nach Hanau in die Geburtsstadt der Gebrüder Grimm.

    Weiter auf dem Maintalradweg erreichten die Radler am folgenden Tag die Finanzmetropole Frankfurt am Main mit ihrer beeindruckenden Skyline. Bei einer Stadtführung lernten die Kronacher neben dem Rathaus (Römer), den Marktplatz, den Dom, den engen Gassen und interessanten Neubauten auch die Paulskirche kennen, in der das erste deutsche Parlament tagte. Gegen Abend trafen die Radler am ehem. Floßhafen in Mainz-Kostheim ein. Hier landeten einst die Mainfloße an und wurden dort zu großen Rheinflossen umgebaut. Diese hatten im Jahre 1780 eine Breite von 32 m und eine Länge von 250 m. Voraus eilte auf einem Nachen ein Flößer als "Wahrschauer" mit schwarzroter Flagge, der die entgegenkommenden Schiffe warnte. Nach drei Böllerschüssen setzte sich das Rheinfloß in Fahrt. Heute ist hier ein Yachthafen. An die Zeit der Flößerei erinnert heute noch ein Lokal mit einem kleinem Floßmuseum. Der rechts des Maines liegende Stadtteil Mainz-Kostheim gehört ebenso wie Mainz-Kastel seit 1948 zur Stadt Wiesbaden und liegt damit im Bundesland Hessen, ein Kuriosum, das auf die Länder-Neueinteilung nach dem Krieg zurückgeht.

    Herz von Mainz ist seit 1000 Jahren, wie bei der Stadtführung deutlich wurde, der gewaltige romanische Dom aus rotem Miltenberger Sandstein. Daneben beeindruckten die Universität, das Guttenbergmuseum, der Karnevalsbrunnen und die Rheinpromenade. Die Stadt war einst Sitz des Kurfürsten von Mainz, der zugleich Erzbischof und Kanzler war und damit im dt. Reich einen bedeutenden Einfluß und entsprechende Einnahmen hatte. Heute ist Mainz Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz mit 200 000 Einwohnern.

    Nach einer Dampferfahrt auf dem Rhein und einer Weinprobe in Nierstein wurden die Tour-Teilnehmer samt Rad und Gepäck vom Kronacher Bus in Mainz abgeholt.

    Die Radstrecke war insgesamt 500 km lang, landschaftlich sehr schön , weitgehend eben, gut beschildert und zu 95 % aspaltiert, sodaß auch ein gelegentlicher Gegenwind ohne große Probleme zu bewältigen war. Das gastronomische Angebot am Main ist im Verhältnis zu den Radwegen an Donau, Elbe oder der Spree allerdings noch ausbaufähig. Das Wetter im Maintal hingegen war ideal zum Radfahren; nur einmal gab es einen halbstündigen Regenguß, bei dem alle jedoch rechtzeitig in einem Gartenschuppen Schutz fanden. Erst auf der Heimreise mit dem Bus gerieten die Frankenwälder in eine längere Regenzone, sodaß die Fahrräder auf dem offenen Hänger gleich gründlich gewaschen wurden.

    Alle Teilnehmer, Mitglieder wie Gäste, kamen schließlich nach 7 Tagen Radtour und 1 Tag Pause unfallfrei, wohlbehalten und guter Dinge und rechtzeitig zur Bierprobe im Kronacher Schützenfest nach Hause zurück.

    Michael Kestel
    ADFC Kreisverband Kronach
    Tourenleiter